Vergangene Veranstaltungen

 Wintersemester 2014/15

1. Vortragsreihe, Mehringhof Berlin: Von Tieren und Menschen, Grenzen und Widerständen
Neue Perspektiven auf gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse

Der Chimaira Arbeitskreis beschäftigt sich seit 2010 mit gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnissen und arbeitet an einer Etablierung der Human-Animal Studies im deutschsprachigen Raum. Grenzen und Widerstände gibt
es dabei sowohl auf der politischen Ebene von einer anthropozentrischen Gesellschaft als auch auf der wissenschaftlichen Ebene in den Mensch-Tier-Verhältnissen selber. Die Themen der Vortragsreihe diskutieren diese und sind so vielfältig wie das Feld der Human-Animal Studies.

Alle Veranstaltungen finden in Berlin im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a, 10961 Berlin; U7/U8 Mehringdamm) statt. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen sowie Kurzbeschreibungen der Vorträge gibt es auf unserer Website:

Politischer Veganismus.
Das politische Potential des Veganismus
jenseits des „Vegan Hype“
(Markus Kurth)

15.10.2014, 19:00 Uhr, Blauer Salon

Markus Kurth nimmt den aktuellen Veganismus “Hype” zum Anlass, nach dem politischen Potential des Veganismus zu fragen. Wie entwickelte sich der Veganismus, welche Gründe und politische Grundannahmen gibt es dazu und welche Praktiken und Utopien leiten sich davon ab?

Institutionen statt Individuen.

Von der Tierethik zur Tierpolitik – aber wie?

29.10.2014, 19:00 Uhr, Blauer Salon

(Friederike Schmitz)

Der Umgang mit Tieren wurde lange primär als ethische Frage behandelt. Im Fokus stand dabei die Frage, was wir als einzelne Menschen den anderen Tieren schulden – inwieweit müssen wir ihre Interessen berücksichten? Sollten wir sie oder ihre Körperprodukte konsumieren oder aber vegan leben? Es sind allerdings nicht nur individuelle Entscheidungen, die Einfluss auf Tiere haben. Stattdessen spielen gesellschaftliche Institutionen für ihr Schicksal eine entscheidende Rolle. Seit einiger Zeit wird daher der Umgang mit Tieren auch als Thema der politischen Theorie begriffen. Allerdings unterscheiden sich die dabei vertretenen Positionen stark. Der Vortrag stellt mehrere vor, zeigt Schwächen auf und skizziert eine eigene politische Theorie der Tierbefreiung.

„Unsere Heimat – Unsere Tiere“.
Gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse
in der DDR
(Anett Laue)

12.11.2014, 19:00 Uhr, Versammlungsraum

Anhand von ausgewählten Mensch-Tier-Beziehungen innerhalb der DDR-Gesellschaft wird aufgezeigt, wie die Staatsideologie „sozialistische“ Tierbilder konzipierte, die die Wahrnehmung von Tieren und deren Verhältnis zum Menschen neu zu definieren versuchte.
Welche gesellschaftliche Bedeutung hatten Tiere und Fragen zum Mensch-Tier-Verhältnis in der DDR? Wie stand es um den Tierschutz im SED-Staat? Wie wurde mit dem vermeintlich „bürgerlichen“ Phänomen der Heimtierhaltung umgegangen? Und was war die „industriemäßige Tierproduktion“? Diese und weitere Fragen werden im Vortrag diskutiert.


„Lebende Bilder“ und „täglich wilde Szenen“.
Eine Recherche zum Tierbild in der Gestaltung
von Zoogehegen
(Anne Hölck)

26.11.2014, 19:00 Uhr, Blauer Salon

Warum Tiere ansehen? Die Frage stellt John Berger 1980 in seinem Essay „Why look at animals“ und stellt darin in Bezug auf den Zoo mittels der Bildkritik fest: Tiere sind aus den konkreten Räumen der Menschen verschwunden, sie dienen vielmehr den imaginären Beziehungen. Angesichts zeitgenössischer Zooarchitektur und der Tierbilder, die sie (re)produziert, stellt sich diese Frage im Kontext der Human-Animal Studies erneut – mit veränderten Perspektiven auf gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse.

Von Arbeitstieren und Menschenbildern.
Ein anthropozentrismus-kritischer Blick auf
Arbeit und die Mensch-Tier-Grenze
(Aiyana Rosen & Sven Wirth)

10.12.2014, 19:00 Uhr, Versammlungsraum

Aiyana Rosen und Sven Wirth stellen sich einem allgemeineren Thema: was heißt eigentlich Arbeit und wie werden darüber Grenzen zwischen Menschen und anderen Tieren gezogen? Die Vortragenden diskutieren verschiedene Arbeitskonzepte und bringen uns somit einen Einblick in die Definitionen von Arbeit: was ist Arbeit und wer kann überhaupt arbeiten?

2. Forschungswerkstatt zu tierlicher Agency, Berlin

Der Chimaira Arbeitskreis veranstaltet vom 31. Oktober bis zum 02. November 2014 eine interdisziplinäre Forschungswerkstatt zum Thema “tierliche Agency”. Darauf aufbauend wird 2015 ein Sammelband herausgegeben. Wir freuen uns über Teilnehmer_innen und Autor_innen, die sich am dem Projekt beteiligen möchten. Unseren Call for Papers finden Sie hier.

Die Werkstatt richtet sich vorrangig an (Nachwuchs-)Wissenschaftler_innen, Doktorand_innen und Studierende mit den Schwerpunkten Critical Animal Studies (CAS),  Human-Animal Studies (HAS) und Gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhältnisse. Sie soll der Begegnung der Forscher_innen und ihrer Theorien dienen, der gemeinsamen Erarbeitung theoretischer Fundamente sowie den bereits in den HAS bzw. CAS Aktiven fachlichen und persönlichen Austausch bieten. Darüber hinaus sollen Erkenntnisse verschiedener Disziplinen zusammengeführt und der Diskussionsstand im Feld vorangetrieben und bereichert werden. Die Werkstatt ist daher nicht als Einführungsveranstaltung in Theorien der Human-Animal Studies konzipiert, sondern setzt gewisse Grundlagen und eine bereits erfolgte Beschäftigung mit dem Themenspektrum voraus.

In der Forschungswerkstatt werden wir uns mit der für die Analyse und Kritik Gesellschaftlicher Mensch-Tier-Verhältnisse zentrale Debatte um Agency bzw. Handlungsmacht auseinandersetzen. Klassisch liegt diese im menschlichen Subjekt selbst begründet und wird nichtmenschlichen Tieren abgesprochen. Der Diskussion dieses Konzepts sollen Ideen von Agency als Prozess, der Menschen und nichtmenschliche Individuen umfasst, gegenübergestellt werden. Letzterer Ansatz findet sich etwa in vielen Spielarten der Actor-Network Theory (ANT) wie allgemein in Ansätzen des New Materialism. Methodisch wird versucht, sich dem Thema über konkurrierende Inputs aus verschiedenen Perspektiven (etwa disziplinär, methodisch, theoretisch) zu nähern und eigene Positionen zu entwickeln.

 

Der folgende Vortrag von Mitgliedern des Chimaira Arbeitskreises fand im Rahmen der Vortragsreihe „Human-Animal Studies“ an der Universität Mainz statt.

Montag, 26.Mai 2014
Referent_innen: Sven Wirth und Aiyana Rosen von Chimaira – Arbeitskreis für Human-Animal-Studies
Vortrag:
„Tier_Ökonomien? Über die Rolle der Kategorie ›Arbeit‹ in den Grenzziehungspraxen des Mensch-Tier-Dualismus“

Das komplette Programm finden Sie hier.

 

Sommersemester 2013

I. Universität Innsbruck

Intersektionalität in den kritischen Human-Animal Studies. Mensch-Tier-Verhältnisse im Kontext von zwischenmenschlichen Gesellschaftsverhältnissen

  • Dozent: Andre Gamerschlag
  • Datum: Auftaktveranstaltung 7.6.2013, 12-14 Uhr; Block I 21./22.6.2013, Block II 5./6.7.2013
  • Ort: Hauptgebäude, Container 1

Ziel: In diesem Seminar werden das Paradigma Intersektionalität und das Forschungsfeld Human-Animal Studies vorgestellt. Anschließend soll vermittelt werden, auf welche vielfältigen Weisen Mensch-Tier-Verhältnisse mit Prinzipien wie Kapitalismus oder Phänomenen wie Rassismus und Sexismus verbunden und daher auch für menschenbezogene Forschung relevant sind.

Inhalt: Der aus dem black feminism und den gender studies stammende Begriff „Intersektionalität“ wurde als Metapher für die Dreifachbenachteiligung schwarzer Frauen durch Rassismus, Sexismus und Klassismus geschaffen, beschreibt inzwischen aber allgemein Forschungen, die mehrere Formen sozialer Ungleichheit und kultureller Differenz in Zusammenhang zueinander analysieren. Etwa die Frage, wie Rassismus und Sexismus sich gegenseitig begünstigen können und miteinander in Verbindung stehen. Die Human-Animal Studies sind ein im deutschsprachigen Raum junges Forschungsfeld, welches sich überwiegend mit kulturellen und sozialen Aspekten von – eigentlich als biologisch angesehenen – Mensch-Tier-Verhältnissen befasst. Kritische HAS sehen Mensch-Tier-Verhältnisse als gesellschaftliche Gewalt- und Ausbeutungsverhältnisse an und wollen diese hin zur Gewaltfreiheit verändern.

Im Seminar soll eine intersektionelle Perspektive auf Mensch-Tier-Verhältnisse eingenommen werden, um Verbindungspunkte zu anderen Formen von Ungleichheit und Differenz auszuloten: Wie begünstigt Speziesismus (Artchauvinismus) auch Rassismus und Sexismus? Was hat intrahumane Gewalt mit Tierausbeutung zu tun? Was hat Fleischkonsum mit der Konstruktion von Männlichkeit zu tun? Wie ist Tierausbeutung im Kapitalismus eingebettet und warum wird sie deshalb zusätzlich verfestigt? Welche Mechanismen sind allen Formen der Benachteiligung und Diskriminierung gemeinsam – auch der gegenüber andere Arten? Wo überschneiden sich soziale Bewegungen in ihren Befreiungsbestrebungen?

Das Seminar ist in drei Teile gegliedert. Teil I bildet eine Einführung in HAS und Intersektionalität. Teil II ist eine Einführung in intersektionelle HAS. Teil III behandelt einzelne Beispiele für Intersektionen: Kapitalistische Mensch-Tier-Verhältnisse, Intersektionen durch sozialkonstruktivistische und dekonstruktivistische Perspektiven, Gender Studies und HAS, Rassismusforschung und HAS.

Die Inhalte werden möglichst einfach vermittelt. Vorwissen ist zwar hilfreich, jedoch nicht notwendig. Interesse an gesellschaftlichen Fragestellungen, aktive Teilnahme und Teilnahme an der Auftaktveranstaltung werden vorausgesetzt. Der Seminarreader wird über Olat zu Semesterbeginn zur Verfügung gestellt.

Methode: Literaturstudium, Referate, Diskussionen
Prüfungsmodus: Literaturvorbereitung, aktive Teilnahme + Referat oder kleine Hausarbeit

Literatur, u.a.:

  • Gudrun-Axeli Knapp (2005): Intersectionality – ein neues Paradigma feministischer Theorie? Zur transatlantischen Reise von „race, class, gender“, in: Feministischen Studien, J.23/2005, Nr.1. S.68ff.
  • Andre Gamerschlag (2011): Intersektionelle Human-Animal Studies. In: Chimaira AK (Hg.): Human-Animal Studies. Über die gesellschaftliche Natur von Mensch-Tier-Verhältnissen. Bielefeld: transcript. S.151ff.
  • Sabine Hastedt (2011): Die Wirkungsmacht konstruierter Andersartigkeit. Struktuelle Analogien zwischen Mensch-Tier-Dualismus und Geschlechterbinarität. In: Chimaira AK (Hg.): Human-Animal Studies. S.191ff.

Weitere Infos auf dem Studierendenportal der Universität Innsbruck.

 

II. Humboldt-Universität zu Berlin

1. Philosophie im Kontext der Human-Animal Studies

  • Dozent_innen: PD Dr. Phil. Reinhard Margreiter in Zusammenarbeit mit mehreren Vertreter_innen des Chimaira Arbeitskreises
  • Termin: 23./24. und 26./27. September 2013, 10.00 – 17.00 Uhr
  • Ort: UL 6, 3103
  • b, c, d, LA/S1, LA/S2

Kommentar: Indem wir uns mit einigen Richtungen und Vertretern der Human-Animal Studies (HAS) näher auseinandersetzen, erörtern wir die Frage, wie aus philosophischer Sicht das Konzept der HAS zu bewerten ist und wie sich Philosophie – sowohl als mitarbeitende Disziplin wie als skeptische Instanz – darin einbringen kann. Bei den HAS handelt es sich um ein junges und interdisziplinäres Forschungsfeld, das unter möglichst vielen Perspektiven
eine neue, angemessene Sicht auf die zahlreichen und komplexen Mensch-Tier-Verhältnisse entwickeln will. Es ist ein beschreibendes, aber auch ein handlungsnormativ und zudem ideologisch motiviertes Unternehmen. Philosophisch können wir uns ihm, einer Einteilung Oswald Schwemmers folgend, auf dreierlei Weisen nähern, je nachdem, ob wir Philosophie
als einen Superdiskurs, Subdiskurs oder (vermittelnden) Interdiskurs verstehen.

Literatur:

  • M. Wild: Tierphilosophie zur Einführung. Hamburg 2008
  • C. Otterstedt & M. Rosenberger (Hg): Gefährten, Konkurrenten, Verwandte. Die Mensch-Tier-Beziehung im wissenschaftlichen Diskurs. Göttingen 2009
  • Chimaira AK (Hg.): Human-Animal Studies. Über die gesellschaftliche Natur von Mensch-Tier-Verhältnissen. Bielefeld 2011

Eine Literaturliste wird nach Anmeldung zugesandt.
Anfragen und Anmeldungen (ab 1. Mai 2013) per E-Mail an: reinhard-margreiter(at)gmx.at.

2. Tiere_Bilder_Ökonomien

  • Interdisziplinäre Ringvorlesung im Rahmen der Human-Animal Studies
  • Organisiert von Chimaira – Arbeitskreis für Human-Animal Studies
  • In Kooperation mit dem Institut für Kulturwissenschaft der HU Berlin und dem Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin
  • Es wird für Studierende verschiedener Fachbereiche möglich sein, Teilnahme- und Leistungsnachweise zu erbringen.

Die Frage nach ‚dem Tier‘ ist aus der gesellschaftlichen Debatte wie auch aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen Disziplinen nicht mehr wegzudenken. Die Auseinandersetzung mit nichtmenschlichen Individuen und ihren Fähigkeiten reicht von Fragen der Tierethik über die Verhandlung der Mensch-Tier-Grenze bis hin zu einer Beschäftigung mit den konkreten Interaktionen zwischen verschiedenen Spezies.

Innerhalb der interdisziplinär konzipierten Ringvorlesung werden wir uns von zwei Richtungen der Frage nach Gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnissen nähern: Die Schwerpunktthemen sind Tier_Bilder und Tier_Ökonomien.

Weitere Infos unter www.tiere-bilder-oekonomien.de

 

Wintersemester 2012/2013

Der Arbeitskreis für Human-Animal Studies, Chimaira, bietet seit dem 14. November 2011 ein interdisziplinäres Kolloquium zu Themen der Human-Animal Studies und zu Gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnissen an.

Ziel dieses Kolloquiums ist die Vernetzung sowie die gegenseitige Unterstützung von Studierenden, Promovierenden und Wissenschaftler_innen, die zur Zeit noch weitgehend vereinzelt in diesem Gebiet forschen. Weitere Interessierte sind ebenfalls herzlich willkommen!

Das Kolloquium findet ab jetzt jede Woche statt, dafür aber nur noch während der Vorlesungszeiten der Humboldt Universität Berlin. Dieses Semester wird das Kolloquium begleitend zu unserer Ringvorlesung ‚Tiere_Bilder_Ökonomien‘ stattfinden, d.h., es werden Texte besprochen, die in die jeweiligen Themengebiete der Vorträge einführen. Ab dem nächsten Semester können auch wieder eigene Forschungsarbeiten vorgestellt werden.

Das Kolloquium findet seit dem Wintersemester 2012/13 im Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität, Georgenstr.47, Berlin in Raum 009 (Erdgeschoss) statt.

Um eine Anmeldung an chimaira(at)human-animal-studies.de wird gebeten.